Geschenk mit Köpfchen

Domfund

Die Dombauhütte erhielt Köpfchen vom Tympanonrelief des Michaelportales. Das Fragment war in den Wirren der letzten Kriegstage in Köln, im März 1945, abhandengekommen war. Ein junger Soldat der US-Armee hatte das abgesprengte Fragment, das den Sturz aus etwa sieben Metern Höhe fast unversehrt überstanden hatte, mitgenommen. Sein Sohn fand es nach dem Tod der Eltern eingeschlossen in einem Schrank in deren Wohnhaus bei Washington D. C. Er erinnerte er sich, dass sein Vater, der bereits seit längerem verstorben ist, ihm das Fragment als Kind gezeigt und erwähnt hatte, dass er bei der Einnahme der Stadt Köln beteiligt gewesen sei und in diesem Zusammenhang auch am Dom war.

Stück vom Michaelportal

Über die amerikanische Kunstberaterin Amy Kuhnert ließ er die Herkunft des Köpfchens recherchieren. Sie übergab das Fragment bei einem Kölnbesuch der Kölner Dombauhütte. Dombaumeister Peter Füssenich betonte, dass es ein unglaublicher Glücksfall sei, dass der amerikanische Soldat den Kopf aus dem Schutt geborgen habe, da er ansonsten gewiss verloren gegangen wäre. „Es freut mich, dass wir auch über 70 Jahre nach Kriegsende immer wieder Geschichten wie diese erleben, die von Heilung erzählen“, sagte Füssenich. Das Köpfchen stammt von einem römischen Soldaten aus der Darstellung der Bekehrung des Saulus zum Paulus. Es fügt sich perfekt an die Bruchstelle an, so dass es im Zuge der seit 2013 laufenden Restaurierungsarbeiten am Michaelportal an seinen ursprünglichen Standort zurückkehren kann. Es wurde inzwischen in der Steinrestaurierungswerkstatt der Dombauhütte mit Hilfe eines Lasers gereinigt und kann in den nächsten Wochen wieder an der ursprünglichen Stelle versetzt werden.

Kein Einzelfall

Gefertigt wurden die Skulpturen des Michaelportals zwischen 1878 und 1881 in der Werkstatt des Dombildhauers Peter Fuchs. Thema des Portals ist:  „Die Verwirklichung des Erlösungswerkes in der Menschheit durch Christus und seine Stiftung in der Kirche“. Im Tympanon sind Szenen aus dem Leben Jesu nach seiner Auferstehung sowie Szenen aus der Apostelgeschichte dargestellt. In den vergangenen Jahren sind wiederholt Objekte aus ehemaligem Dombesitz an den Dom zurückgelangt. So zum Beispiel eine Reliquienbüste aus dem im 14. Jahrhundert entstandenen Clarenaltar. Sie tauchte  nach fast 200-jähriger Odyssee in Caracas wieder auf. Der damalige Besitzer Pedro Trebbau Millowitsch, ein Neffe des verstorbenen Schauspielers Willy Millowitsch, schenkte die Büste 2005 dem Dom. 2008 konnte die hl. Katharina, eine bereits im 18. Jahrhundert abhanden gekommene Marmorskulptur vom Hochaltar des Domes, mit Unterstützung der KulturStiftung der Länder aus dem Kunsthandel zurückerworben werden. Erst im vergangen Jahr wurde dem Dom ein Glasmalereifragment mit einem kleinen Teufelchen aus einem Johannes-Klein-Fenster in den Turmhallen zurückgegeben. Es war ebenfalls im Zweiten Weltkrieg von einem Soldaten der US-Armee mitgenommen worden und wurde von seinen Erben zurückgegeben.