Drei Krune för et Chressfess

Weihnachtmärchen

Viel Zuspruch für das Stück von Udo Müller im Hänneschen-Theater. Wenn der „Decke Pitter“ ertönt, der prächtige Dreikönigenschrein hinter dem Altar zu sehen ist und das Licht von draußen durch das bunte Glas der hohen Kirchenfenster scheint – dann sind wir im Hänneschen-Theater. Einige Szenen des aktuellen Weihnachtsmärchens „Drei Krune för et Chressfess“ spielen in dem perfekt nachgebildeten Innenraum des Kölner Domes.

Autor und Regisseur Udo Müller versetzt die bekannte Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ von Charles Dickens gekonnt nach Knollendorf. Müller ist es gelungen, das vor über 170 Jahren geschriebene Stück in ein modernes Gewand zu kleiden. „Drei Krune för et Chressfess“ ist flott und facettenreich, mit sehr witzigen und oft überraschenden Dialogen. Die Charaktere der Figuren sind klar definiert, die Szenen logisch aufgebaut. Es ist ein Stück mit viel Situationskomik, das zugleich zum Nachdenken anregt. Und das ganz ohne Brachial-Humor oder Moral-Keule.

"Weihnachtsfreie Zone"

Zur Handlung: Lichterglanz, Adventslieder, festliche Stimmung auf den Straßen und Plätzen. Ruhe und Besinnlichkeit zieht in die Häuser ein. In alle Häuser? Nein. Das Weihnachtsfest steht vor der Tür, aber einer in Knollendorf lässt es nicht herein. Der Laden von Schäl ist „weihnachtsfreie Zone“. Alles, was auch nur im Entferntesten mit Feiern, Festschmuck und Fröhlichkeit zu tun hat, ist dem Griesgram Schäl zuwider. Er ist so biestig, dass er allen Menschen in seiner Umgebung das Leben schwer macht und ihnen das Fest vermiesen will. Seine Mitarbeiter Tünnes, Schäl, Besteva und Zänkmanns Kätt zittern nicht nur vor Kälte. Schäl ist selbst auch nicht glücklich. Sogar schwer krank ist er über so viel Missmut, Verdruss und Selbsthass geworden. Als er fast schon mit einem Bein im Grab steht, naht die Rettung.

Starke Ensemble-Leistung

Dabei spielen drei Obdachlose, eine leicht gruselige Reise in die Vergangenheit und ein ungleiches Duo wichtige Rollen. Mit diesem Duo beginnt das erste von etlichen Wundern in dem Stück. Können eine Maus und ein Kater Freunde werden? Können ein Kölner und ein Düsseldorfer gemeinsame Sache machen? Bei „Drei Krune för et Chressfess“ ja. „Et Kardinälche“ ist die Kirchenmaus im Kölner Dom. Das barmherzige Tier leistet bei Kater „Pempel“, einem Vegetarier aus Düsseldorf, Entwicklungshilfe und Seelsorge zugleich. Gemeinsam führen sie als Erzähler durch das Weihnachtsmärchen. So gelingt es prima, die einzelnen Handlungsstränge harmonisch miteinander zu verbinden. Das Weihnachtsmärchen ist eine ganz starke Ensemble-Leistung. Vor allem weil es glückt, das Besondere des Hänneschen-Theaters umzusetzen: Lebendige, spritzige, kölsche Dialoge, überraschende Ideen, ebenso kunstfertige wie liebevoll gestaltete Bühnenbilder und bis in die einzelnen Goldbordüren filigran gearbeitete Kostüme.