Rennfahrer aus dem Rheinland

Foto Rennwagen

Ein Besuch in der „Villa Trips“ in Kerpen begeistert Rennsport-Fans. Die aktuelle Sonderausstellung „Rennfahrer aus dem Rheinland“ ist eine Zeitreise durch die Geschichte des Automobil-Rennsports.

Zu sehen sind unter anderem hochwertige Rennwagen-Modelle, zwei Original-Rennwagen, zahlreiche Pokale und andere Trophäen, Fotos, Helme, Rennanzüge, Rennhandschuhe, zwei Go-Karts, Motorteile, Felgen und Ferrari-Lenkräder. Alles Originale. Vieles wurde noch nie öffentlich gezeigt. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Rennfahrerinnen und Rennfahrer aus dem Rheinland. Dahinter steckt weit mehr als eine regionale Geschichte. „Weltweit gibt es keine Region wie das Rheinland, aus der so viele erfolgreiche Rennfahrer gekommen sind und kommen“, ist sich Museumsleiter Jörg-Thomas Födisch sicher.

Weltmeister aus Kerpen

Die Grenzen des Rheinlands sind im vorliegenden Fall ein wenig großzügiger gezogen. Der Nürburgring, das Siegerland und der Westerwald sind ebenso vertreten wie das Ruhrgebiet und der Niederrhein. Der Nabel des deutschen Automobilrennsports ist indes Kerpen. Michael und Ralf Schumacher stammen aus dem kleinen Städtchen im Erftkreis. In Horrem, heute ein Stadtteil von Kerpen, wuchs Wolfgang Graf Berghe von Trips auf. Er war einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des Automobil-Rennsports. Ihm fehlte 1961 nur noch ein Punkt zum Gewinn der Formel 1-Fahrer-Weltmeisterschaft. Die Entscheidung sollte das vorletzte Rennen der Saison in Monza bringen. Schon in der zweiten Runde des Rennens verunglückte der 33-Jährige tödlich. Am 10. September ist sein 55. Todestag.

Mitten im Park

In der „Villa Trips“, die die Eltern des Rennfahrers nach dessen Tod als Alterssitz bauten, befindet sich das Museum für Rennsportgeschichte. Trägerin des Museums ist die „Gräflich Berghe von Trips’sche Sportstiftung zu Burg Hemmersbach“. Nachdem dem Museum inmitten eines Parklandschaft vor ein paar Jahren die Schließung drohte, setzen die Verantwortlichen mit der aktuellen Ausstellung „Motorsportler und -Legenden aus dem Rheinland“ ein bemerkenswertes Ausrufungszeichen. Unterstützt von zahlreichen Helfern haben Thomas Födisch und seine Frau Juliane Klingele die Präsentation über viele Monate  vorbereitet und konzipiert. Das Ergebnis ist außerordentlich.

Professionelles Konzept

Auf etwa 160 Quadratmetern, verteilt auf vier Räume im Erdgeschoss, wird die sportliche Entwicklung von mehr als 40 hochkarätigen Rennsportlern dokumentiert. Die Ausstellung besticht durch ein professionelles Konzept mit einem logischen Aufbau und einer ansprechenden Präsentation, die sehr viel Sach- und Fachwissen erkennen lässt. Sie ist vor allem abwechslungsreich und dadurch spannend. Auch für Besucher, die die Leidenschaft für den Automobil-Rennsport noch nicht so gepackt hat. Die Exponate haben die Sportler beziehungsweise ihre Familien als Dauerleihgaben zur Verfügung gestellt. So überließ Marlene Silvester, die Witwe von Rolf Stommelen, dem Museum den kompletten Nachlass ihres Mannes. Von Klaus Ludwig kamen unzählige Stücke. Ralf Schumacher stellte einen Toyota Formel-1-Rennwagen zur Verfügung, Marco Werner einen Formel-3-Siegerwagen, den „Ralt RT36 Opel“.

Raum für Michael Schumacher

Für den siebenmaligen Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher wurde mit Unterstützung seines Fanclubs ein ganzer Raum hergerichtet. Dort sind unter anderem die Modelle aller Wagen, die Michael Schumacher je gefahren hat, zu sehen. Die Modelle haben einen Maßstab von 1:18. Um an die zahlreichen Exponate zu gelangen, nutzte Thomas Födisch seine weitverzweigten Verbindungen in der Rennsportwelt. Der 69-Jährige ist zwar nie selber Rennen gefahren, begeistert sich aber schon seit Kindertagen für den Motorsport. Die Initialzündung war der Besuch des Großen Preises 1954 auf dem Avus in Berlin. Vater Kurt hatte den damals Siebenjährigen mit an die Strecke genommen.

Viel Anerkennung

Für die aktuelle Ausstellung und die erfolgreiche Wiederbelebung des Museums für Rennsportgeschichte erntet Thomas Födisch derzeit viel Anerkennung. So zum Beispiel von Reinold Louis. Der Kölner Brauchtums-Experte, seit 25 Jahren Vorsitzender des Stiftungsrates und des Stiftungsvorstandes der Gräflich Berghe von Trips'schen Sportsitzung zu Burg Hemmersbach, ist der Motor des von der Stiftung getragenen Museums. Louis ist mindestens so besessen vom Rennsport wie Födisch. Beide haben zahlreiche Fachbücher geschrieben.

Museum für Prototypen

Im Obergeschoss der „Villa Trips“ wird an Wolfgang Graf Berghe von Trips erinnert. Viele der ursprünglichen Exponate  des Museums befinden sich allerdings als Dauerleihgabe im Museum für Prototypen in Hamburg. Dort wird das Leben und die Karriere des rasanten Grafen aus dem Rheinland besonders detailliert dargestellt und gewürdigt.