Hahnentorburg: „Wir kennen die Pläne nicht, aber wir lehnen sie ab.“

Diskussionen sind wichtig. Gerade kontrovers geführte. Aber Pläne ablehnen, die es überhaupt noch nicht gibt, ist planlos. So geschehen in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Innenstadt. Beraten wurde die Frage, ob die Ehrengarde an der Hahnentorburg einen Anbau errichten lassen darf. Mit den Stimmen der Grünen, Linken und Deine Freunde wurde der Antrag mit 9:8 Stimmenmehrheit abgelehnt. Die endgültige Entscheidung treffen die Kommunalpolitiker im Stadtrat. Zum Hintergrund: Weil die Verbindungsbrücke vom Tor zum Nachbargebäude abgerissen wird, fehlt der Karnevalsgesellschaft Platz, um das Vereinsleben in der bisherigen Form am angestammten Ort weiterzuführen. Für den Anbau lobt der Verein einen Architektenwettbewerb aus. Erst Anfang 2017 sollen erste Vorschläge da sein. Der Anbau ist keine Kann-Idee, sondern ein Muss. Wird er nicht genehmigt, zieht die Ehrengarde aus. Das wäre nicht nur für die Ehrengarde bitter. Auch für die Stadt. Denn sie ist Eigentümerin der Hahnentorburg. Alle Kosten, zum Beispiel für die Instandhaltung des alten Gemäuers, müsste sie künftig selber tragen. Die Portokasse wird dafür nicht reichen. In den zurückliegenden 27 Jahren – so lange ist das Hahnentor das Domizil der Ehrengarde – investierte das Traditionskorps knapp drei Millionen Euro für den Erhalt des ehemaligen Stadttores. Abgelehnt haben die Bezirksvertreter den Anbau, weil sie den Platz an der Hahnentorburg in der jetzigen Form erhalten möchten. Ein 400 Quadratmeter großer Anbau würde ihn ihrer Meinung nach zu sehr begrenzen und ihm seinen Charakter nehmen. So etwas mag auf den ersten Blick einleuchtend klingen. Aber was hat der Platz denn jetzt für einen Charakter? Unzählige Autos, Straßenbahnen und Busse fahren vorbei und verleihen dem Areal das Flair vom Nürburgring. Gemütlich, einladend oder gar schön ist der Bereich nicht. Es gibt einen Wochenmarkt, der aber auch mit weniger Fläche auskommen würde. In der Adventszeit gibt es einen Weihnachtsmarkt, der entweder auch kleiner ausfallen oder sogar ganz wegfallen könnte. Es gibt wahrlich keinen Mangel an Weihnachtsmärkten in Köln. Und vom attraktivsten würde man sich offen gestanden nicht trennen. Ein Gedanke zum Schluss: Sollte die Ehrengarde tatsächlich mit ihren Bauplänen scheitern, wäre das ein fatales Signal an die Menschen in dieser Stadt, die das mit dem bürgerschaftlichen Engagement ernst nehmen. Denn den Anbau ablehnen heißt im Klartext: „Danke, dass ihr die Hahnentorburg mit eurem Geld so toll in Schuss gebracht und erhalten habt. Aber jetzt haut ab.“