Der Aufreger nach der Silvesternacht 2016 ist „Nafri“. Wunderbar.

Beweist dies doch, dass sonst nichts Grässliches vorgefallen zu sein scheint. Nichts, über das man sich medienwirksam aufregen kann. Doch dies, so klingt es, möchten Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien. Weil bei vielen Menschen das Kurzzeitgedächtnis wohl nicht funktioniert, ein kurzer Rückblick auf Silvester 2015 und die Tage danach: Sexuelle Übergriffe auf unzählige Frauen und Mädchen. Mutmaßliche Täter: Männer nordafrikanischer Herkunft. „1947 nordafrikanische Tatverdächtige ermittelte die Kölner Polizei in 2015“, ist auf Zeit-Online zu lesen. In den Tagen nach dieser Nacht gab es massive Kritik an der Arbeit der Polizei und der Stadt. Zu wenig Einsatzkräfte, falsche Informationspolitik -  Polizeipräsident und Polizei-Pressesprecherin verloren ihre Positionen.

Rückblick auf 2015

Oberbürgermeisterin Henriette Reker musste sich ein Jahr lang den Satz mit der „einen Armlänge Abstand“ anhören. Ein Satz, den sie so nicht gesagt hat, schon gar nicht als Empfehlung, wie sich Frauen am wirkungsvollsten vor solchen Angriffen schützen können. Frau Reker hat im Rahmen einer Pressekonferenz auf die Frage, ob sie eine Idee habe, wie ein solcher Schutz aussehen könne, mit Nein geantwortet. Sie hat lediglich auf allgemeine Verhaltensregeln, wie sie beispielsweise der „Weiße Ring“ vorschlägt, hingewiesen, mit dem deutlichen Zusatz, dass diese Dinge den Frauen in der Silvesternacht nicht geholfen hätten. Der Kölner Oberbürgermeisterin einen solchen Ratschlag in den Mund zu legen und diesen aus dem Zusammenhang gefrästen Satz als Zitat zu bringen, war entweder unfassbar dämlich oder sollte ihr vorsätzlich schaden. Seltsamerweise waren die meisten Menschen bereit, das für bare Münze zu nehmen.

Denk' an die Schuhgröße

Zurück zu dem Wort „Nafri“. Polizei-Intern ist dies eine Abkürzung für „nordafrikanische Intensivtäter“. In diesem Jahr sorgten mehr als 1500 Polizistinnen und Polizisten in Köln dafür, dass sich die schrecklichen Ereignisse des Vorjahres nicht wiederholt haben. Die Informationspolitik der Pressestellen von Polizei und Stadt war vorbildlich. Schnell und umfassend. Vor allem über den Kurznachrichtendienst Twitter. In den 140-Zeichen-Meldungen tauchte auch der Begriff „Nafris“ auf. Polizeipräsident Jürgen Mathis hat mittlerweile gesagt, den Begriff hätte man besser nicht nach außen kommunizieren sollen. Vielleicht nicht. Die Medien hätten ihn aber auch nicht zwingend übernehmen müssen. Ganz nebenbei. Es erschließt sich mir nicht, warum es „ehrabschneidend“, „rassistisch“ und „entmenschlichend“ sein soll, wenn die Ausweise aggressiv auftretender Männer, die in größeren Gruppen auf den  Bahnhofvorplatz drängten, kontrolliert werden. Bleibt die Frage, warum kontrollierte die Polizei verstärkt Männer mit augenscheinlich nordafrikanischer Herkunft? Da sei an die alte Ermittlerregel (die auch gern von Krimischriftstellern beherzigt wird) erinnert: „Wenn du weißt, dass dein Tatverdächtiger Schuhgröße 48 hat, such’ ihn nicht zuerst unter Frauen und Japanern.“